SM Silber und WM Rückblick

Die Züglete ist vorbei und ich freue mich über meine neue Wohnung, die jetzt schon fast fertig eingerichtet ist. Nun habe ich endlich Luft den Bericht über die WM nachzuholen. Die „Nach- WM Depression“ hatte mich etwas mehr eingefangen als mir lieb war. Psychisch und physisch verlangt eine WM jeweils alles von mir ab und ich befand mich in einem Loch, weil die grosse Anspannung nachliess und alles vorbei war. Nach einer kurzen Reise nach Innsbruck, wo wir drei wunderschöne Tage bei meinem Bruder und seiner Freundin genossen, ging es aber schon wieder mit einer sehr intensiven Herbstsaison in der Schweiz los. Ich darf mich über eine sehr gute Form freuen! Die zwei Silbermedaillen an den Schweizermeisterschaften im Sprint und in der Langdistanz, sowie viele sehr gute Abschnitte an den Swiss Orienteering League Wettkämpfen zeigen eindrücklich, wie gut ich mich von den Weltmeisterschaften erholt habe. Ich konnte mich zudem physisch über die 5000m auf der Bahn verbessern und auch technisch kriege ich vieles besser hin als noch im Sommer.

Trotzdem möchte ich nun noch einen Blick zurück werfen und einige Gedanken zur WM festhalten. Die WM war gespickt mit vielen Plus und vielen Minus. Ich nehme viele Erkentnisse, viel Motivation und neue Pläne aus den WM- Auswertungen in die Zukunft mit.

Foto: Swiss Orienteering
Foto: Swiss Orienteering

 Sprint

Wir waren ideal auf die Aufgaben der Sprint Quali und des Sprintfinals vorbereitet. Mein Ziel war ein Diplom (Top 6) und meine Strategie war, Teilstrecke für Teilstrecke zu nehmen und die gestellten Aufgaben des Bahnlegers bestmöglichst zu lösen. Zwar gelang mir im Sprintquali nicht ein ganz fehlerfreier Lauf, das Tempo stimmte aber und auch die Abläufe funktionierten gut. Mit dem 2. Rang in meinem Heat qualifizierte ich mich problemlos für den Final in Sotkamo.

Vor dem Sprint Final war ich sehr nervös. Es war oft darauf hingewisen worden, dass die Finnen mit extra Zäunen eine schwierige Aufgabe an uns stellen werden, (nach dem Rennen wurde bekannt, dass 46 Zäune gestellt worden waren). Der Start war im voll gefüllten (mehr als 7000 erwartete Zuschauer) Stadion von Sotkamo. Ich startete konzentriert und sicher ins Rennen und lag zwischenzeitlich jeweils rund um den vierten Zwischenrang. Obwohl ich bei fast jeder Routenwahl die falsche Route wählte, war ich mit dabei und hatte ein gutes Gefühl. Das Orientieren mit diesen extra Zäunen ist so eine Sache… Meist ist es sehr schwierig die schnellste Route zu sehen und ich arbeitete in der Vorbereitung daran, die Routen während dem Wettkampf nicht zu bewerten.
Beim viertletzten Posten hatte ich das Gefühl alles unter Kontrolle zu haben. Erst im Ziel merkte ich, dass ich zwei Posten übersprungen hatte. Dadurch wurde ich disqualifiziert. Noch heute weiss ich nicht wie ich von viertletzten Posten ins Ziel kam. Einzige Erklärung ist wohl, dass ich physisch so müde war und dadurch im Kopf nichts mehr funktionierte.
Die Entäuschung war mir nach dem Lauf ins Gesicht geschrieben. Dass mir ein solcher Fehler gerade an der WM passieren musste war eine riesen Ernüchterung.

 

Rangliste Sprint Quali und Final

GPS Sprint Quali und Final

 

 

Mitteldistanz

5.30 läutete mein Wecker und das Frühstück auf dem Zimmer wartete auf mich. Ich war sehr müde, hatte schlecht geschlafen und auch meine Erkältung war nicht besser. Trotzdem war ich gespannt auf den heutigen Lauf und freute mich auf die Hauptprobe. Ich wurde bis vor dem Start nicht wirklich wach. Beim zweiten Posten wurde ich dann ordentlich aufgerüttelt, als ich es nach einem Parallelfehler einfach nicht schaffte mich aufzufangen. Nach sechs Minuten verzweifeltem und mehrmals erfolglosem Auffangen gelang es mir endlich den Posten zu finden. Eine Ernüchterung und ein Wachrütteln war es definitiv! Mir gelang danach ein fast fehlerfreies und schnelles Rennen und ich konnte die Quali mit Rang 10 einigermassen klar schaffen. Das gute Gefühl (welches zwar durch die Sicherheit von Merja Rantanen, die mich beim 2 Posten eingeholt hatte verstärkt wurde) wollte ich zum Final mitnehmen und mir mehr Zeit nehmen die Karte genau zu lesen.

Am Mittefinal war ich erneut sehr sehr nervös. Ich startete sehr konzentriert und wie fast immer sehr schnell (im nach hinein gesehen etwas zu schnell) in das technisch schwierige Gelände. Den dritten Posten unterschätzte ich deutlich und drückte zu fest aufs Tempo. Als im Postenraum noch die vor mir gestartete Athletin herum stand war ich gestresst und machte den mir vorgenommenen Stopp nicht, um mich aufzufangen. Vom dritten Posten bis zum zweitletzten Posten lief ein mehr oder weniger kontrolliertes und schnelles Rennen. Dort hatte ich schon etwas zu fest mit dem Rennen abgeschlossen und war nicht mehr aktiv am Kartenlesen. Direkt verlor ich eine weitere Minute. Der 13. Rang war nach diesen zwei grösseren Fehlern also natürlich. Schade war, dass ich auf Top 6 nur gerade eine Minute verlor.

 

Rangliste Mittel Quali und Final

GPS Mittel Quali und Final

 

Staffel

Zum dritten Mal in drei Jahren bekam ich das Vertrauen die zweite Strecke für die Schweizer Staffel zu laufen. Ich fühlte mich am Morgen wegen der Erkältung immer noch etwas angeschlagen, freute mich aber sehr auf die abschliessende Aufgabe.
Sara Lüscher lief auf der ersten Strecke ein perfektes Rennen und kam mit perfekter Ausgangslage ins Ziel. Ich startete sehr gut und lag trotz einer schlechteren Route zum vierten Posten auf dem zweiten Zwischenrang. Zum siebten Posten lies ich mich auf dem Weg von der Dänin stressen und merkte nicht, dass ich schon 20m den falschen Weg runter rannte. Ich korrigierte und lief dann von der richtigen Wegkurve gegen den Posten. Ich bemerkte schnell, dass ich nicht wie geplant in die Mulde kam, welche zum Posten führt. Somit korrigierte ich schnell und kam zu Felsen direkt unter dem Posten. Von dort gelang es mir drei Mal nicht den Posten anzulaufen weil ich nie ganz um die Kuppe schaute. Der Fehler kostete mir viele Nerven und Ränge. Mit einem guten Abschluss übergab ich als sechste mit vier Minuten auf Norwegen und ca. einer Minute auf Finnland und Schweden. Ich war sehr enttäuscht über meine Leistung, denn bei der Staffel will ich nicht nur für mich gut laufen, sondern für mein Team und die Schweiz.
Aus diesem Grund bekam ich den rasanten Abschluss der Staffel gar nicht so mit. Simone Niggli lief ein schnelles Rennen, machte sofort Ränge gut und lag auf Medaillenkurs. Doch auch sie machte einige Fehler und Sara und ich standen nervös im Ziel und verfolgten den Kampf zwischen Schweden und Schweiz. Die Erleichterung war gross, als Simone als dritte hinter Norwegen und Finnland zum letzten Posten kam! Eine richtig spannende Staffel mit etwas zu vielen Fehlern.

 

Staffel GPS und Rangliste

SRF - Interview

Swiss-Orienteering Interview

 

 

Fazit

Hätte ich diesen Bericht direkt nach der WM geschrieben wäre er wohl deutlich negativer ausgefallen. Rückblickend war ich sehr gut auf die Wettkämpfe vorbereitet. Bezüglich den Walddistanzen hatte ich aber bis am Schluss ein etwas mulmiges Gefühl, ob ich die technischen Anforderungen wirklich im Griff hätte. Dieses Gefühl zeigte sich etwas zu fest in meiner Nervosität und ich wollte es mit dem Tempo gut machen. Die WM war resultatmässig etwas enttäuschend. Das wir in der Staffel mit Bronze belohnt wurden, war ein toller Abschluss einer Woche mit vielen Auf und Abs.

 

Gleich geht’s weiter!
Am Sonntag steht die Mitteldistanz SM auf dem Programm und in zwei Wochen freue ich mich auf ein tolles OL Fest beim Weltcupfinal in Baden.

 


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